Via Algarviana, us vs da dogz

Via Algarviana, us vs da dogz

09/04/2026 Off By christiankohl

Anfang/Mitte März! Super Jahreszeit, um in Südportugal zu wandern. Wir waren vor einigen Jahren im November den Trilho dos Pescadores gewandert, dieses Jahr hatten wir uns die Via Algarviana vorgenommen. Das ist ein Fernwanderweg von der spanischen Grenze zum Cabo de São Vicente im Hinterland der Algarve. Ist leider nicht ganz so einfach von der Logistik her wie die Rota Vicentina, aber ok. Detaillierte Wegbeschreibung spare ich mir, weil a) alles auf der Website und b) in den Fotos ersichtlich. Insgesamt ist die gesamte Via Algarviana aber easy peasy, super einfach, meistens sehr breite Forstwege, Schotterstraßen oder Asphalt. Turnschuhe reichen völlig aus, Stöcke braucht man auch nicht.

Wir sind erst auf Etappe 7 eingestiegen, weil es auf den ersten Etappen kaum Unterkünfte bzw. vegetarische Verpflegungsmöglichkeiten gibt, die Erwartung ist wohl, dass man mit Auto wandert. Wer macht das nicht? Also schön Samstags mit Swiss nach Faro geflogen und von dort mit einem private Transfer nach Salir. Hat alles super geklappt. Die Idee war, die sechste Etappe am von Barranco do Velho nach Salir am Sonntag zu laufen und sich Sonntag morgens mit den Taxi zum Start fahren zu lassen. Geht aber nicht, aus Mangel an Taxis. Also sind wir Sonntag ein wenig von Salir aus in die Richtung Barranco gelaufen, quasi als Warmup, haben aber irgendwann umgedreht, weil es nur Asphalt war und damit laaaaangweilig. Salir selbst hat nicht viel, einen sehr nette Pizzaladen, wobei die Pizza ok, aber nicht doll war. Und einen Spar Supermarkt. Die Unterkunft war richtig kacke. Erstmal kriegt man die Infos bzgl. Checkin scheinbar nur, wenn man WhatsApp hat. Dann geht die Heizung nicht und wir haben uns zwei Nächte den Arsch abgefroren. Ich war wirklich froh, als wir Montag morgen endlich losgewandert sind. War nicht gut, Casa da Mãe, kann ich nicht empfehlen. Gibt aber sonst auch nix in dem Kaff.

https://link.locusmap.app/t/x1rgj4

Allgemein muss man wissen, dass Sa und So scheinbar immer Moped-Tag ist in der Gegend. Überall knattert und stinkt es. Die ganz netten Mitmenschen heizen mit ihrer Enduro auch schön über den Wanderweg und versuchen uns plattzumachen. Nevermind.

Die erste Etappe für uns, die ersten 18km von insgesamt 180km, war also von Salir nach Alte. Entspannt, nicht zu lang, nicht zu anstrengend, ein guter Warmup. Und direkt mal sehr schön. Es ist Frühling, alles blüht, sattes Grün, what’s not to like?! Dazu noch alte Trockenmauern und Pumpstationen entlang des Weges.

https://link.locusmap.app/t/bqv7my

Für diese wie für fast alle Etappen galt aber leider auch: Beware of the dogs. Oft kläffen die nur, was nervt. Aber etliche sind leider frei und teilweise auch aggro. Ich würde, wenn ich den Weg nochmal ginge, auf jeden Fall Spray und einen Teleskopschlagstock mitnehmen. Keine Ahnung, ob das legal ist in Portugal, aber besser, als gebissen zu werden. Ich hatte mir ein paar Mal zwei große Steine genommen. Ging aber alles gut, die Reisebegleitung ist ja ein Beastmaster! Die Unterkunft in Alte was das “Tradition Guesthouse”, absolut top und eine Wohltat. Auch ein halbwegs gesundes Frühstück war möglich, ohne Zucker. Das ist eine Ausnahme in Portugal, idR ist alles furchtbar süß und/oder Ei. Aber in Alte gab es Naturjoghurt und sogar ein paar Samen und Nüsse. Schöne Zimmer auch, sieht alles krachneu aus. Eine nette Pastelaria namens “Agua Mel” gibt es auch noch im Ort. Gute Mandeltartelettes.

Zweite Etappe dann etwas länger von Alte nach São Bartholomeu de Messines. Übernachtung dort im Bartholomeu Guesthouse, welches auch ok war. Im zugehörigen Restaurant gibt es auch ganztägig was zu essen, aber nix dolles, zumindest, wenn man Vegetarier ist. Am Markt gibt es ein kleines Restaurant, das über Mittag auf hat und lecker war. Ansonsten gilt wie in fast allen Orten: Öffnungszeiten sind Glückssache, idR nicht im Vorfeld rauszufinden, einfach hinlaufen und hoffen … . Das beste an dem Ort war aber das Sportgeschäft! Meine Schuhe waren nämlich zu klein, keine Ahnung warum. Entweder meine Füße sind eine ganze Größe gewachsen oder die Arcteryx Trailrunner sind geschrumpft, auf jeden Fall passten sie nicht mehr, die ersten drei Tage waren doch recht schmerzhaft. Zum Glück hatte der Laden ein paar spanische Turnschuhe in meiner Größe, für kleines Geld. Die Arcteryx habe ich dann im guesthouse zurückgelassen. Damit war zumindest schmerzfreies Laufen wieder möglich. 🙂

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Die dritte Etappe war dann direkt ordentlich lang, von São Bartholomeu nach Silves ca. 30km mit 650hm. Aber auch wirklich schön, man läuft u.a. an eine Stausee entlang, außerdem wieder durch Orangenhaine … der Duft ist wirklich so schön! In Silves waren im in den Mosaiko Suites abgestiegen, sehr tolles Ding! Wunderschönes Gebäude, toll dekoriert, tolle Atmosphäre. Und es gab sowohl tolles Eis in Silves als auch tolles Essen. Das tat ganz gut nach mehreren Tagen Kohlenhydrat-Langweilkost. Castelo dos Sabores hat lecker Eis aus regionalen Zutaten. Orange natürlich der Knaller, aber Mandel-Feige sogar noch besser. Am ersten Abend haben wir gut gegessen bei Ateliê 47, am zweiten Abend sogar noch besser, bei Parsley & Thyme. Das macht nur vegetarisch, dafür aber richtig gut und lecker. Vielen Dank dafür! Wait a minute? Wieso zwei Abende in Silves? Ja, es gab einen Pausentag … Besichtigung des schicken Castelos, bisschen am Fluß langspazieren und chillen.

https://link.locusmap.app/t/n8embb

Denn die vierte Etappe hat es dann richtig in sich: 32km, 1473hm hoch, 1016hm runter von Silves nach Monchique. Leider sind die ersten 22km sehr langweilig, viel Straße … dafür die letzten zehn richtig cool. Ich würde mich mit dem Taxi an die Kreuzung EM-1073 Fornalha/Alferce fahren lassen und von da aus direkt in den Berg, hoch zum Picota, reinlaufen. Spart viele sinnlose Kilometer. Aber das letzte Drittel ist wirklich toll, schöner Wald, schöne Aussicht und ein knackiger Anstieg, was will man mehr?

https://link.locusmap.app/t/mpx2fo

In Monchique kauft der schlaue Wanderer direkt beim Intermarché ein, denn der liegt unten am Kreisel, die Unterkunft weit oben im Ort. Und wer will schon extra Höhenmeter für nen Becher Joghurt? 😉 Unterkunft in Monchique war das Apartamento Escadinhas do Castelo oder so ähnlich, auf jeden Fall sehr nice! Der ganze Ort liegt im Hang, alles schön steil. 🙂 Theoretisch gibt es hier auch mehrere Cafes und Restaurants, die vegetarisch können, die haben aber alle am Wochenende zu. Dumm, dass wir Sa/So da waren. Ist sonst umgekehrt, idR kriegt man Mo/Di kaum was. Zum Glück gibt es Velochique, ein Cafe, Restaurant, Fahrradladen Kombi, wo es guten Kaffee und lecker vegetarisches Essen gibt. Auch in Monchique gab es wieder einen Pausentag. War auch ganz gut so, hatte mir einen Wolf gelaufen … keine Ahnung warum, selbe Klamotten und Setup wie immer und es war noch nicht mal richtig warm? zum Glück gab es eine Apotheke, die Vaseline hatte … .

Nach Monchique ging es dann ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Pause weiter. Die fünfte Etappe von Monchique nach Marmelete war recht kurz und sehr schön. Marmelete ist niedlich, Unterkunft gab es nur ein AirBnB Zimmer, aber das war echt gut, sehr kreativ gestaltet. Kulinarisch sind Vegetarier theoretisch gut versorgt, aber das Cafe/Restaurant “Bank” hatte zu und dann blieben nur die üblichen Fleischläden, also wieder Pommes. Immerhin gab es Naturjoghurt im Minimercado.

https://link.locusmap.app/t/s6zvpk

Leider war die sechste Etappe von Marmelete nach Bensafrim sowohl lang als auch laaaangweilig, viel zu viel Straße, das macht keinen Spaß. In Bensafrim hatten alle Restaurants zu, der Supermercado zum Glück nicht, also ein Essen improvisiert, unsere Unterkunft Casa da Aldeia hatte zum Glück eine kleine Küche. Ansonsten ist Bensafrim nothing to write home about, auch hier gilt wieder, dass alles, was irgendwo im Internet steht, inklusive der Website der Cafes und Restaurants selbst, nicht stimmt. 😀

https://link.locusmap.app/t/dgtxnj

Die siebte Etappe von Bensafrim nach Vila do Bispo war dann wieder ok. Ich hatte ein Taxi bestellt mit dem wir morgens von Bensafrim nach Barão de São João gefahren sind. Das spart ca 8km Straße und macht die Etappe akzeptabel. Es geht durch ehemals schöne Wälder, die leider vor nicht allzu langer Zeit abgebrannt sind und später dann durch ein Wetland auf den Hügeln. Leider war es so windig, dass keine Vögel am Start waren, dafür aber viele Frösche.

https://link.locusmap.app/t/4ffmyc

In Vila do Bispo waren wir vor ein paar Jahren schon mal als Teil der Rota Vicentina. Nettes Örtchen, es gibt einen kleinen Health Food Laden, der auch über mittag Essen anbietet. Das Highlight ist aber das Restaurant Pisco, ein veganes Restaurant, das mit lokalen Produkten sehr, sehr lecker und gut und kreativ kocht. Wir waren vor drei Jahren schon begeistert und es war auch dieses Mal wieder top. Absolute Empfehlung, reservieren geht einfach per Email, ist nicht groß, deshalb eine gute Idee, vorher Bescheid zu geben. Ich hatte als Hauptspeise Spargel mit Zitronen-Miso Sauce, Algen Gremolata, herzhaftem Crumble und Blumen. Fantastischer Geschmack und Optik. Pizza und Pavlova waren ebenfalls hervorragend. Absolutes Highlight war aber die “H2Choc”, eine Mousse aus nur zwei Zutaten: Wasser und schön dunkle Schokolade. Traumhaft, Geschmack wie Konsistenz! Die Unterkunft im Ort war ebenfalls spitzenklasse, die beste auf dem ganzen Trip. Pure Flor de Esteva kann ich nur wärmstens empfehlen. Alles sehr neu, sehr sauber, sehr gemütlich. Wir waren etwas schneller unterwegs, weil es anfing zu regnen zwischendrin und konnten schon sehr früh einchecken, insgesamt super gut in der Kommunikation und sehr entgegenkommend. Ich bin begeistert.

Die letzte Etappe nach Sagres/Cabo de São Vicente waren wir schon als Teil der Rota Vicentina gelaufen und da es am nächsten Tag durchgehend regnete, haben wir uns das gespart und sind mit dem Green-and-Black Taxi nach Sagres gefahren. Auch hier tolle Unterkunft und wir konnten tatsächlich schon um 11.30 einchecken. Casa Azul, ebenfalls eine Empfehlung. Sehr großes Apartment, ideal um alles auszubreiten und zu trocknen. 😉 Sagres kannten wir schon – immer wieder schön, Strand, Steilküste, was will man mehr? Kulinarisch ist es ebenfalls sehr ansprechend für Vegetarier, auch wenn Alices Eisladen wieder nicht geöffnet war. Die haben irgendwas gegen mich. 😉 Wir waren wieder bei Arte Bianca, Weltklasse Pizza. Und ja, die Chocolate Pizza als Dessert ist leider geil. Und dann auch noch im Restaurant Fornario im Memmo Baleeira Hotel (wo wir letztes Mal gewohnt hatten, auch sehr toll), die machen ebenfalls sehr, sehr feines Essen in einem sehr schönen Setting. Hard knock life also in Sagres, wie man sieht. Ebenfalls gut gegessen haben wir bei Three Little Birds, der Laundry Lounge (Wäsche haben wir aber beim Intermarché gewaschen) und Picnic ist ebenfalls einen Besuch wert.

Am Freitag dann das letzte große Abenteuer: Mit Bus und Bahn nach Faro … . Hat aber alles geklappt, wir haben den frühen Rede Expressos Bus nach Lagos genommen, weil deutlich schneller und die Website auch vertrauenswürdiger als Vamus. Vamus zeigt 75% der Zeit keine Verbindungen an (obwohl die Busse fahren), irgendwas stimmt mit der Suche/Datenbankanbindung nicht bei denen. In Lagos noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen mit Zwischenstopp im Black and White Cafe, toller Kaffee und Croissants. Dann mit dem Zug (ja, es gibt Züge, selten, aber ja) nach Faro. Unangenehme schwäbische Wurstpellenradlergruppe stieg zum Glück schnell wieder aus.

Faro ist auch sehr niedlich, schöne Altstadt, teilweise auch verkehrsberuhigt. Die Unterkunft war ok, nix dolles, viel zu weiches Bett. Aber ruhig, sauber und zentral. Dafür haben wir ernährungstechnisch noch mal ordentlich zugeschlagen. Outro Lado macht traditionelle portugiesische Küche, aber in vegan und in gut. Sehr geil! Ebenfalls sehr lecker und war Céu, eine Fusion aus südamerikanischer und asiatischer Küche. Originelle und leckere Tapas, der “Homemade Japanese-style cheesecake served with matcha ganache, fresh fruit, and vanilla ice cream” als Dessert war ebenfalls top. Hervorragenden Kaffee (und Tee) gibt es bei Yellow Bourbon, die haben ein Cafe in der Fußgängerzone, viel schöner ist aber die Rösterei nur zwei Blocks weiter. Und dann war es auch schon vorbei. Mit Edelweiss/Swiss wieder zurück ins triste Berlin. Essen bei Edelweiss überraschend gut, btw. Zu Hause angekommen festgestellt, dass an der Sicherung für die Spülmaschine wohl auch der Kühlschrank hängt … und erstmal interessante Lebensformen entsorgt und geputzt. Da ist man direkt wieder im Alltag.

Some impressions – same photos as below but visualized in “trip view” on a map: https://pics.christiankohl.net/?t=BUYZAAMBJL#BG8bqs7TjhrzTDpCYJae8VXRBDGUiKibrxDq2ZLXgHdE